Woher kommen eigentlich Ideen zu Geschichten? Das ist bei jedem Schreiber unterschiedlich. Bei mir steht zuerst einmal ein Thema, zumindest dann, wenn ich eine Geschichte für einen Wettbewerb schreibe, was ich zur Zeit oft tue. Dort sind meistens die Themen, grob oder auch detailliert, vorgegeben. Habe ich dann das Thema lasse ich es mir in aller Ruhe durch den Kopf gehen. Was könnte dabei passieren? Könnte ein Mann, eine Frau oder ein Kind damit zu tun haben? Wo möchte ich hin um ein spannendes Finale zu bekommen? Wenn ich das weiß, fange ich entweder einfach an direkt zu schreiben, oder ich mache mir einen Plan an dem ich mich entlang arbeite. Ich muss zugeben, das einfach drauflos schreiben und all das, was sich in meinem Kopf schon seit einigen Tagen wie ein Film abspielt, einfach auf Papier zu bringen, funktioniert meistens bei Kurzgeschichten deutlich besser als jede Planung, entgegen der Meinung vieler Handbücher für Autoren. Schon in meiner Facharbeit hatte ich genau dieses Problem. Je mehr ich plante umso schlimmer wurde das Ergebnis. Letzten Endes warf ich nach vier Wochen Arbeit die ganze Sache über den Haufen und fing von vorne an, schrieb einfach binnen zehn Stunden die ganze Facharbeit an einem Stück runter und bekam dafür eine 2. Besser geht es nicht.

Nun habe ich also lange über das Thema nachgedacht und im Kopf verschiedene Szenarien durchgespielt. Jetzt sitze ich hier und schreibe die Geschichte. Die Handlung fließt auf das Papier. Damit hatte ich bisher nie Probleme. Eher die Charaktere, ihre Vergangenheit, ihre Eigenarten und ihre Tiefe, die machen mir oft Probleme. Und da gab es einmal in einem der besagten Bücher für angehende Autoren einen Tipp, den ich seither benutze, wenn ich an einer Person in meinen Geschichten scheitere.

Ich schreibe ihr einen Brief.

Zu diesem Zweck habe ich mir ein eigenes Notizbuch angelegt und tue einfach so, als wäre die Person echt. Ich schreibe ihr einen Brief in dem ich ihr Fragen stelle, ihr beschreibe, wie ich sie gesehen habe. Dazu nehme ich mir auch die Zeit.. Und wenn dieser Brief fertig ist, lese ich ihn einige Male und schreibe die Antwort oder denke mir diese aus. Diese Methode hilft mir wirklich meine eigenen Charaktere besser auszuarbeiten, sie kennen zu lernen und ihnen schließlich in der Geschichte die nötige Lebendigkeit zukommen zu lassen.

Sicher, die Methode ist etwas aufwändig. Aber es lohnt sich. Und wenn eine Geschichte mal unfertig für Wochen, Monate, Jahre in einer Schublade landet, hilft einem der Brief an den Prota sehr, wieder in die Story hinein zu finden und die Geschichte zu einem guten Abschluss zu bringen.

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2 Gedanken zu “Briefe an…den Prota

  1. Hallo,
    ich frage mich bei solchen Übungen wie dem Brief oder auch einem Interview mit der Figur immer: In welchem Verhältnis stehe ich denn zu dieser? Kennen wir uns schon richtig gut, dann ist es unlogisch, offensichtliche Fragen nach dem Leben der Figur zu stellen. Kennen wir uns nicht gut: Warum sollte sie sich einer wildfremden Person anvertrauen?
    Ich habe einmal davon gelesen, dass man einfach mal eine kleine Kurzbiographie zu der Figur verfassen soll – das erscheint mir persönlich als Methode eher passabel, da ich dabei mich als Autor in kein Verhältnis zu der Figur setzen muss.
    Wie machst du das?
    Liebe Grüße, Alex

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    1. Liebe Alexandra, das ist bei mir ganz verschieden. Hat die Figur in meinem Kopf schon eine Vergangenheit dann schreibe ich den Brief eher auf freundschaftlicher Ebene.. Ich vertiefe dann quasi das Verhältnis mit mehr Details und neuen Ideen. Ist die Figur eine gänzlich unbekannte Größe führe ich per Brief ein Interview mit ihr wie ein Reporter. Dann stelle ich Fragen nach Herkunft und Vergangenheit die ich durch den Protagonisten beantworten lasse.

      Gefällt 1 Person

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